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digitalisierung
Autor
Jakob Kaya
Autor
Jean-Paul Saija

Vor Kurzem bin ich mit Freunden am Tisch gesessen, als das Gesprächsthema auf den Beruf des „Schuhmachers“ kam. Jemand hat erzählt, dass er seine abgetragenen Schuhe regelmässig zum Schumacher bringt, um diese neu besohlen zu lassen. Wir waren eine Gruppe von 8 Leuten im Alter zwischen 40 und 50 und ausser ihm hat noch niemand seine Schuhe zum Schumacher gebracht, schon gar nicht regelmässig. Und wir sprechen hier nicht von der Generation Y oder Z, die noch nie in ihrem Leben ein Schuhmachergeschäft von innen gesehen haben.

Die Argumente unseres „Schuhmacher-Fans“ waren allerdings sehr gut, was die Gruppe etwas in Verlegenheit gebracht hat.

  • Warum wegwerfen, wenn man die Schuhe reparieren kann?
  • Schuhe sind von Tag 1 an bequem, da sie bereits eingetragen sind (Hurra, keine schmerzhaften Blasen!)
  • Ökologische Aspekte
  • Wertschätzung für das Produkt
  • usw.

Trotzdem waren wir uns alle einig, dass dieser Beruf leider schon bald ausgestorben sein wird. „Schuster bleib bei deinen Leisten“, die Ironie dieses Sprichwort ist mir bis dato nie aufgefallen! Ich habe es sogar des Öfteren verwendet. Doch seien wir mal ehrlich, es liegt auf der Hand, bzw. den Leisten: Wer heutzutage zu lange auf einem bestehenden Produkt, einem Angebot oder einer Dienstleistung sitzen bleibt, ohne innovativ zu sein und es zu wagen, sich zu verändern, sich weiterzuentwickeln und WEITERZUGEHEN, den bestraft die Digitalisierung. Und dies betrifft nicht nur den Schuster.

Ich habe mich gefragt: Was würde mindnow einem Schuhmacher raten, wenn er uns um Hilfe bitten würde? Jeder hat die Aussage schon zigmal gehört. Digitalisierung zerstört Arbeitsplätze! Ist das zwingend so? Kann sie auch aussterbenden Berufen zu neuem Leben verhelfen? Mein Geschäftspartner und ich versuchen uns mal an zwei unterschiedliche Varianten…

 

Variante 1 – Simpel aber effizient

Wir entwickeln eine sehr einfache mobile optimierte Webpage. Nennen wir sie „feetsyou“. Nebst spannenden Informationen rund um den Schuh stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl:

  1. Karton nach Hause bestellen – Der Kunde legt die Schuhe in den Karton und schickt diese an feetsyou, welche die Disposition zum nächstgelegenen Schuhmacher organisiert. Die Schuhe kommen perfekt besohlt und gereinigt auf dem Postweg zum Kunden zurück. Der Kunde wird über transaktionale E-Mails, SMS oder App Push Notifications auf dem Laufenden gehalten. „Schuhmacher Giovanni hat deine Schuhe heute erhalten.“; „Giovanni hat deine Schuhe repariert. Wie neu!“; „Deine Schuhe sind auf dem Weg zu dir…“
  2. Termin ausmachen – Wir zeigen den nächstgelegenen Schuhmacher an und geben dem Kunden die Möglichkeit über die App einen Termin zu buchen. Nach 30 Minuten Wartezeit kann der Kunde seine Schuhe wieder abholen.
  3. Out of the box thinking – Wir bieten allen Pedicure Studios die Möglichkeit, eine weitere Dienstleistung zu verkaufen. Da der Kunde seine Schuhe sowieso ausziehen muss/darf, könnten wir auch gleich einen Schuhputz/Flick Service mit anbieten. Während der Kunde gemütlich im Sessel sitzt, gehen seine Schuhe an den nächstmöglichen Schuster, welcher die Schuhe wie neu macht.

Jetzt nur noch das perfekte digitale Marketing und die Sache LÄUFT! 😉

 

Variante 2 – Schuster 4.0

1. Zusammen ist man stärker

Wir haben gesehen, dass es in der Schweiz einen Fuss & Schuh Verband gibt. Also ab zum Verband und Unterstützung holen.

2. Gemeinsame Vision und spezielle USPs bestimmen
Auch oder vielleicht sogar gerade handwerkliche Themen kann man grossartig digitalisieren. Zusammen werden die USPs der Schuhmacher bestimmt (da wir mit keinen Profis der Branche gesprochen haben, müssen wir Annahmen ohne Gewähr auf ihre Richtigkeit treffen).

  • Aktueller Trend (Anti-Wegwerfgesellschaft) spielt uns in die Karten.
  • Reparieren ist günstiger als neu kaufen. Natürlich nur dann, wenn man nicht Schuhe für CHF 9.90 kauft. Aber eben, „Hallo Öko-Trend“.
  • Was können uns gebrauchte Schuhe sagen, was uns neue nicht können? Natürlich wie wir den Fuss belasten und somit unseren ganzen Bewegungsapparat.
  • Es gäbe noch sehr viele weitere Themen, aber das würde jetzt zu sehr ins Detail gehen. Belassen wir es also aktuell bei diesen 3 Punkten.

3. Ideen-Pool generieren

  • Wir entwickeln eine digitalisierte Schuheinlage sowie eine passende App und verbinden sie miteinander.
  • Über die Sensoren messen und speichern wir sämtliche Daten. Anzahl Schritte, jeweilige Belastungen. Beim Laufen, Springen, Schlendern usw.
  • Wir kreieren ein perfektes Dashboard und zeigen dem Kunden die wichtigsten Informationen an. Wie belastet er den Fuss? Welche Einlagen würden Sinn machen (natürlich gleich über die App mit einem Klick bestellbar).
  • Sobald sich die Sohle verändert (beispielsweise seitlich abläuft) erhält der Kunde eine Notification direkt auf sein Smartphone. „Tun Sie ihrem Körper etwas Gutes und lassen Sie mich Ihre Schuhe neu besohlen“.
  • Tipps & Tricks für besseres Laufen.
  • usw. usw.

4. Abstimmen und loslegen

Jetzt braucht es noch das entsprechende Budget (hier sollte man auch mit potentiellen Investoren sprechen) und dann kann man los legen. Würde man heute mit dem Projekt starten, hätten wir Ende Jahr ein neues Businessmodell am Start. Der Schuhmacher mit den neuen, digitalen Leisten.

Natürlich, früher war es auch schön… teils vielleicht sogar auch besser. Aber gute Digitalisierung kann so viel Spass machen. Rufen Sie uns an, wir lieben die Gespräche mit unseren Partnern.

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Autor
Jakob Kaya
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Jean-Paul Saija