Explore
de
digitalisierung
Autor
Christoph Kappler

Zocken, daddeln, gamen…, jeder kennt diese Begriffe und assoziiert sie (meist) mit ungepflegten und übergewichtigen Jungs, die Stunden im abgedunkelten Keller mit Videospielen verbringen und dazu massig Energy Drinks & fettiges Essen in sich hinein stopfen.

Doch schon lange ist Zocken nicht mehr einfach “nur” zocken.

Junge eSportler an einem Offline Turnier

Was ist eSport?

Man könnte denken, es handelt sich hier um eine neue Elektrofahrzeug-Reihe eines Autoherstellers – falsch gedacht, denn eSport steht für “Elektronischer Sport”.

Beim eSport treten Teilnehmer in populären Computer- und Videospielen gegeneinander in Wettkämpfen an. Hierbei kommt es auf eine schnelle Reaktion, Ausdauer und je nach Spiel auf Teamplay sowie taktisches Denken an. Die beliebtesten Genres im eSport sind Echtzeit-Strategiespiele, Ego-Shooter und Sportsimulationen. 

 

eSport ein Sport? Wie bitte?

Für das Schweizer Bundesamt für Sport BASPO sowie der Deutsche Olympische Sportbund DOSB ist ein Sport erst ein Sport, wenn man sich körperlich bewegen muss und ethische Werte vertreten werden, wie beispielsweise Fairplay und Chancengleichheit. eSport ist laut Kriterien also gar kein Sport. Gerne wird auch argumentiert, dass die eSport-Games zum grössten Teil gewaltverherrlichende Inhalte enthalten. Zeugt ein bisschen von einer Doppelmoral, wenn man bedenkt, dass Boxen, Fechten und Sportschiessen sogar olympische Disziplinen sind. 

eSport ist heute eine anerkannte Sportart

Währenddessen geniesst der eSport in Asien, Skandinavien und in den USA, bereits hohe Anerkennung. In Südkorea wird der eSport seit über achtzehn Jahren vom Staat gefördert. Grosse Events und Turniere werden live im öffentlichen Fernsehen übertragen. In Schweden gibt es eSport Schulen, in denen die Schüler in einer schuleigenen Mannschaft gemeinsam trainieren und ihr Hobby in einer gesunden Atmosphäre ausleben können. 

In Dänemark kündigte der Premierminister Lars Løkke Rasmussen an, dass der eSport eine noch grössere gesellschaftliche Rolle einnehmen soll als bisher. Er selbst ist ein grosser Fan des Spiels Counter-Strike: Global Offensive (kurz. CS:GO). Erst kürzlich sah man Lars Løkke Rasmussen bei einer Partie CS:GO mit dem dänischen Top-Team Astralis. Er ist sich auch nicht zu schade, seine Glückwünsche via Twitter auszusprechen, wenn ein dänisches Team ein wichtiges Turnier gewinnt.

 

Profigamer 

Ein Traum vieler junger Menschen ist es, eines Tages als professioneller Gamer den Lebensunterhalt zu finanzieren. Das ist jedoch alles andere als einfach. Für die Meisten wird es ein Traum bleiben. Nur 0,1% aller Gamer haben das Glück, das Talent und die Ambitionen dazu, den Sprung vom Hobby-Sportler zum bezahlten Profigamer zu schaffen. Ein eSportler bezieht sein Einkommen durch kompetitives Spielen. Der Spieleentwickler Riot Games, bekannt durch den MOBA-Klassiker League of Legends, hat bekannt gegeben, dass das Jahresgehalt der Top Spieler bis zu 350’000 US Dollar beträgt, hier sind die Turnier-Preisgelder jedoch nicht mit einberechnet. 

Professionaller eSportler an einem Turnier

Professionelle eSportler trainieren, ob im Team oder alleine, zwischen acht bis fünfzehn Stunden am Tag. Wie bei anderen Sportarten, besteht ein Training aus der Theorie (Taktikbesprechung, Gegneranalyse) und Praxis. Je nach Spiel müssen die Gamer an verschiedenen Turnieren mitspielen. Zu unterscheiden gibt es hier Off- und Online Turniere. Während Online-Turniere über das Internet stattfinden, finden Offline Turniere vor Ort statt. Von Freizeit bleibt nicht mehr viel übrig, wenn man bedenkt, dass Profigamer neben zahlreichen Online Turnieren bis zu fünfzehn Offline (LAN) Turniere im Jahr spielen. Diese Turniere finden überall auf der Welt statt, was zusätzlich eine grosse Belastung durch das ständige Reisen und die Abwesenheit von Familie und Freunden für den Spieler bedeutet.

Der Markt wächst weiter stark

2018 bereits hatte der eSport ein Marktvolumen von US Dollar 865 Millionen. Marktforscher prognostizieren ein Marktvolumen von 1,79 Mrd. US Dollar bis 2022 und die Zahl der Zuschauer soll von 395 Mio. weltweit auf über 640 Mio. ansteigen. 

Die Entwicklung des eSports lässt sich auch sehr gut an den stetig steigenden Turnier-Preisgeldern erkennen. 2010 betrug beispielsweise das Preisgeld für den MOBA-Klassiker (Multiplayer Online Battle Arena) DOTA 2 Weltmeisterschaft (The International) bereits beachtliche 1,6 Mio. US Dollar. 

Peanuts, wenn man bedenkt, dass das Preisgeld für die Weltmeisterschaft 2018 unglaubliche 25 Mio. US Dollar betrug. 2019 rechnet man bereits mit einem Preisgeld von 34 Mio. US Dollar – Tendenz steigend.

 

Sponsoring und Partnerschaften

Wie in fast allen Sportarten gibt es auch beim eSport Sponsoring und Partnerschaften mit mehr oder minder bekannten Marken. Während es in der Vergangenheit überwiegend endemische Sponsoren gab, wie Hardware Hersteller oder Spieleentwickler, wächst das Interesse auch bei nicht endemischen Sponsoren. Unternehmen wie Red Bull, Audi, Nike oder auch Marvel finden immer mehr Gefallen am eSport und erkennen das Potenzial.

Nehmen wir Audi als Beispiel: 2017 verkündete Audi Dänemark einen dreimonatigen Sponsoringvertrag mit dem dänischen Top-Team Astralis. Audi investierte 750’000 US Dollar in das damals beste CS:GO Team. Das Astralis Trikot wurde mit dem Audi-Logo bedruckt, auf der Webseite des Teams wurden Pop-Up-Werbungen und Audi-Banner geschalten. Audi selbst nannte die Partnerschaft einen grossen Erfolg. Der Return on Investment – gemessen an Auswirkung auf den Wert der Marke und Anzahl Markenkontakte – übertraf die Investition um das zehnfache. 

Öffentliche Contests im eSport

 

Das Marketing-Potential des eSports in der Schweiz

In der Schweiz ist eSport längst nicht so verbreitet wie beispielsweise in den USA oder China und der Markt ist im internationalen Vergleich auch deutlich kleiner. Dennoch lässt sich für die Zukunft eine positive Entwicklung des Schweizer eSports erkennen. Grosse Schweizer Unternehmen, wie beispielsweise das Telekommunikationsunternehmen Swisscom, sind auf den „Schnellzug- eSport“ bereits aufgesprungen. Zusammen mit der ESL (Electronic Sports League) hat die Swisscom eine eigene Liga, die Schweizer Hero League, für die Top eSport Spieler gegründet und wirbt mit attraktiven Preisen für die Teilnehmer und Gewinner. Was genau, macht den eSport für Unternehmen so attraktiv? 

Junge eSportler am Gamen

Hinter dem eSport verbirgt sich eine junge Zielgruppe, die den Kaufprozess der Eltern beeinflusst, zunehmend selbst kaufkräftig wird und über klassische Kommunikationskanäle nur noch schwer zu erreichen ist. Neben Swisscom steigen auch weitere, nicht weniger bekannte Unternehmen wie PostFinance und UBS sowie Profi Fussballvereine, wie der FC Basel, und andere Sponsoren mit ein. Das hauptsächlich durch Kaffee bekannt gewordene deutsche Einzelhandelsunternehmen Tchibo wird einer der ersten nationalen Hauptsponsoren der LEC DACH-Region, der grössten europäischen League of Legends Profi-Liga. Auch das Major Label Warner Music Group kooperieren seit diesem Jahr zusammen mit der LEC. So gab Warner Music bekannt, für die Liga einen eigenen neuen Soundtrack zu liefern, wie es einst die UMG (Universal Music Group) zusammen mit der Rock Band Imagine Dragons getan hatte.

 

Eines ist klar…

Neben der stetig steigenden Anzahl an Kommunikationskanälen und -möglichkeiten verlieren die klassischen Medien mehr und mehr an Reichweite. Mit dem eSport können neue Kanäle geschaffen werden und damit die Möglichkeit, neue Zielgruppen zu erschliessen. Auch wenn der eSport in der Schweiz (noch) klein und unerforscht ist, investieren bereits bekannte Schweizer Unternehmen und erkennen das Potential und den möglichen Profit.

Möchten auch Sie zu den Pionieren gehören? Beschreiten Sie zusammen mit uns innovative Wege.

Mitreden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Autor
Christoph Kappler